Was wir uns schenken werden
von Ephraim Kishon
Die beste Lektüre vor dem Weihnachts-schopping
Damit Klarheit herrscht: Geld spielt bei uns keine Rolle, solange wir
noch Kredit haben. Die Frage ist, was wir einander zu den vielen Festtagen
des Jahres schenken sollen. Wir beginnen immer schon Monate vorher an
Schlaflosigkeit zu leiden. Der Plunderkasten > Zur weiteren Verwendung
< kommt ja für uns selbst nicht in Betracht. Es ist ein fürchterliches
Problem.
Vor drei Jahren, zum Beispiel, schenkte mir meine Frau eine komplette
Fechtausrüstung und bekam von mir eine zauberhafte Stehlampe. Ich fechte
nicht.
Vor zwei Jahren verfiel meine Frau auf eine Scheibtischgarnitur aus carraischem
Marmor - samt Briefbeschwerer, Brieföffner, Briefhalter und Briefmappe,
während ich sie mit einer zauberhaften Stehlampe überraschte. Ich schreibe
keine Briefe.
Vorheriges Jahr erreichte die Krise ihren Höhepunkt, als ich meine Frau
mit einer zauberhaften Stehlampe bedachte und sie mich mit einer persischen
Wasserpfeife. Ich rauche nicht.
Heuer trieb uns die Suche nach passenden Geschenken beinahe in den Wahnsinn.
Was sollten wir einander noch kaufen? Gute Freunde informierten mich,
daß sie meine Frau in lebhaftem Gespräch mit einem Grundstücksmakler gesehen
hätten. Wir haben ein gemeinsames Bankkonto, für das meine Frau auch allein
zeichnungsberechtigt ist. Erbleichend nahm ich sie zur Seite: > Liebling,
das muß aufhören. Geschenke sollen Freude machen, aber keine Qual. Deshalb
werden wir uns nie mehr den Kopf darüber zerbrechen, was wir einander
schenken sollen. Ich sehe keinen ZUsammenhang zwischen einem Feiertag
und einem schottischen Kilt, den ich außerdem niemals tragen würde. Wir
müssen vernünftig sein, wie es sich für Menschen unseres Intelligenzniveaus
geziemt. Laß uns jetzt ein für allemal schwören, daß wir einander keine
Geschenke mehr machen werden!
Meine Frau fiel mir um den Hals und näßte ihn mit den Tränen der Dankbarkeit.
Auch sie hatte an eine solche Lösung gedacht und hatte nur nicht gewagt,
sie vorzuschlagen. Jetzt war das Problem für alle Zeiten gelöst. Am nächsten
Tag fiel mir ein, daß ich meiner Frau zum bevorstehenden Fest doch etwas
kaufen müßte. Als erstes dachte ich an eine zauberhafte Stehlampe, kam
aber wieder davon ab, weil unsere Wohnung durch elf zauberhafte Stehlampen
nun schon hinlänglich beleuchtet ist. Außer zauberhaftten Stehlampen wüßte
ich für meine Frau nicht Passendes oder höchstens ein Brillantdiadem -
das einzige, was ich noch fehlt. Einem Zeitungsinserat entnahm ich die
derzeit gängigen Preise und ließ auch diesen Gedanken wieder fallen. Zehn
Tage vor dem festlichen Datum ertappte ich meine Frau, wie sie ein enormes
Paket in unsere Wohnung schleppte. Ich zwang sie, es auf der Stelle zu
öffnen. Es enthielt pulverisierte Milch.Ich öffnete jede Dose und untersuchte
den Inhalt mit Hilfe eines Siebes auf Manschettenknöpfe, Krawattennadeln
und ähnliche Fremdkörper. Ich fand nichts. Trotzdem eilte ich am nächsten
Morgen, von unguten Ahnungen erfüllt, zur Bank. Tatsächlich: Meine Frau
hatte 260 Pfund von unserem Konte abgehoben, auf dem jetzt nur noch 80
Aguroth verblieben, die ich sofort abhob. Heißer Zorn überkam mich. Ganz
wie Du willst, fluchte ich in mich hinein. Dann kaufe ich dir also einen
Astraschanpelz, der uns ruinieren wird. Dann beginne ich jetzt, Schulden
zu machen, zu trinken und Kokain zu schnupfen. Ganz wie due willst. Gerade
als ich nach Hause kam, schlich sich meine Frau, abermals mit einem riesigen
Paket, durch die Hintertür ein. Ich stürzte auf sie zu, entwand ihr das
Paket und riß es auf - natürlich. Herrenhemden. Eine Schere ergreifen
und die Hemden zu Konfetti zerschneiden war eins. > Da - da! < stieß ich
keuchend hervor. > Ich werde dich lehren, feierliche Schwüre zu brechen!
< Meine Frau, die soeben meine Hemden aus der Wäscherei geholt hatte,
versuchte einzulenken. > Wir sind erwachsene Menschen von hohem Intelligenzniveau
<, behauptete sie. > Wir müssen Vertrauen zueinander haben. Sonst ist
es mit underem Eheleben vorbei. < Ich brachte die Rede auf die abgehobenen
260 Pfund. Mit denen hätte sie ihre Schulden beim Friseur bezahlt, sagte
sie. Einigermaßen betreten brach ich das Gespräch ab. Wie schändlich von
mir, meine kleine Fau, die beste Ehefrau von allen, so völlig grundlos
zu verdächtigen.
Das Leben kehrte wieder in seine normalen Bahnen zurück. Im Schuhgeschäft
sagte man mir, daß man die gewünschten Schlagenschuhe für meine Frau ohne
Kenntnis der Fußmaße nicht anfertigen könne, und ich sollte ein Paar alte
Schuhe als Muster mitbringen. Als ich mich mit dem Musterpaar unterm Arm
aus dem Hautor drückte, sprang meine Frau, die dort auf der Lauer lag,
mich hinterrücks an. Eine erregte Szene folgte. > Du charakterloses Monstrum!
< sagte meine Frau. > zuerst wirfst du mir vor, daß ich mich nicht an
unsere Abmachung halte, und dann brichst du sie selber! Wahrscheinlich
würdest du mir auch noch Vorwürfe machen, weil ich dir nichts geschenkt
habe ...< So konnte es nicht weitergehen. Wir erneuerten unseren Eid.
Im hellen Schein der elf zauberhaften Stehlampenschworen wir uns, bestimmt
und endgültig keine Geschenke zu kaufen.
Zum ersten Mal seit Monaten zog Ruhe in meine Seele ein. - Am Nächsten
Morgen folgte ich meiner Frau heimlich auf ihrem Weg nach Jaffa und wa
sehr erleichtert, als ich sie ein Spezialgeschäft für Damenstrümpfe betreten
sah. Fröhlich pfeifend kehrte ich nach Hause zurück. Das Fest stand bevor
und es würde keine Überraschung geben. Endlich! Auf dem Heimweg machte
ich einen kurzen Besuch bei einem befreundeten Antiquitätenhändler und
kaufte eine kleine chinesische Vase aus der Ming-Periode. Das Schicksal
wollte es anders. Warum müssen die Autobusfahrer auch immer so unvermittelt
stoppen. Ich versuchte die Scherben zusammenzuleimen, aber das klappte
nicht recht. Um so besser. Wenigstens kann ich meine Frau keines Vertragsbruches
zeihen.
Meine Frau empfing mich im Speisezimmer festlich gekleidet und mit glückstrahlendem
Gesicht. Auf dem großen Speisezimmertisch sah ich, geschmackvoll arrangiert,
einen neuen elektrischen Rasierapparat, drei Kugelschreiber, ein Schreibmaschinenfutteral
aus Ziegenleder, eine Schachtel Skiwachs, einen Kanarienvogel komplett
mit Käfig, eine Brieftasche, eine zauberhafte Stehlampe, einen Radiergummi
und ein Koffergrammophon (das sie bei dem alten Strumpfhändler in Jaffa
am Basar unterderhand gekauft hatte). Ich stand wie gelähmt und brachte
kein Wort hervor.
Meine Frau starrte mich ungläubig an. Sie konnte es nicht fassen, daß
ich mit leeren Händen gekommen war. Dann brach sie in konvulsivisches
Schluchzen aus: > Also so einer bist du. So behandelst du mich. Einmal
in der Zeit könntest du mir eine kleine Freude machen - aber das fällt
dir ja gar nicht ein. Pfui, pfui, pfui. Geh mir aus den Augen. Ich will
dich nie wieder sehen ... <
Erst als sie geendet hatte, griff ich in die Tasche und zog die goldene
Armbanduhr mit den Saphiren hervor. Kleiner dummer Liebling.
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