AdventskalenderBastelnBrauchtumDownloadLinksLiederGedichteWeihnachtsmärkteBilderGeschichtenKüchePostamt

Klassisches * Besinnliches * Lustiges * Märchen * Sagen und Legenden * Wahre Geschichten * sonstige

Buchtips
3 Wünsche
Christkindl-Ahnung im Advent
Das Christkind
Das Engelskind Anna
Das Mädchen und d Schildkröte Das schönste Geschenk
Das Weihnachtsland
Das Weihnachtslicht
Der allererste Weihnachtsbaum
Der glückliche kleine Vogel
Der kleine Engel Benedikt
Der Naschengel
Der riesengroße Schneemann
Der ungeduld Weihnachtsstollen
Der 4. Weise a d Morgenland
Die Abenteuer d kl Schneemaus
Die Golden glitterne Sprühdose
Die stillste Zeit im Jahr
Die Weihnachtskatze
Drei merkwürdige Gäste
Eine Weihnacht in der Finnmark
Ein flandrischer Hirtenhund
ein kleiner Baumwollfaden
Lukasevangelium
Die Geburt Jesu

Rudolph, das Rentier
Scrooge
Warum der Engel lachen musste

Weihnachts-geschichte

Sie sind der

Besucher in der
Weihnachtsstadt

Haftungsausschluss
Impressum
Gästebuch

zuletzt aktualisiert:
30.09.2007

 

© rolf_tischer@weihnachtsstadt.de GDH

 

 


Christkindl-Ahnung im Advent
von Ludwig Thoma

Erleben eigentlich Stadtkinder Weihnachtsfreuden? Erlebt man sie heute noch? Ich will es allen wünschen, aber ich kann es nicht glauben, daß das Fest in der Stadt mit ihren Straßen und engen Gassen das sein kann, was es uns Kindern im Walde gewesen ist.
Der erste Schnee erregte schon liebliche Ahnungen, die bald verstärkt wurden, wenn es im Haus nach Pfeffernüssen, Makronen und Kaffeekuchen zu riechen begann, wenn am langen Tische der Herr Oberförster und seine Jäger mit den Marzipanmodeln ganz zahme, häusliche Dinge verrichteten, wenn an den langen Abenden sich das wohlige Gefühl der Zusammengehörigkeit auf dieser Insel, die Tag und Tag stiller wurde, verbreitete.
In der Stadt kam das Christkind nur einmal, aber in der Riß wurde es schon Wochen vorher im Walde gesehen, bald kam der, bald jener Jagdgehilfe mit der Meldung herein, daß er es auf der Jachenauer Seite oder hinter Ochsensitzer habe fliegen sehen. In klaren Nächten mußte man bloß vor die Türe gehen, dann hörte man vom Walde herüber ein feines Klingeln und sah in den Büschen ein Licht aufblitzen. Da röteten sich die Backen vor Aufregung, und die Augen blitzten vor freudiger Erwartung.
Je näher aber der Heilige Abend kam desto näher kam auch das Christkind ans Haus, ein Licht huschte an den Fenstern des Schlafzimmers vorüber, und es klang wie von leise gerüttelten Schlittenschellen. Da setzten wir uns in den Betten auf und schauten sehnsüchtig ins Dunkel hinaus; die großen Kinder aber, die unten standen und auf eine Stange Lichter befestigt hatten, der Jagdgehilfe Bauer und sein Oberförster, freuten sich kaum weniger.
Es gab natürlich in den kleinen Verhältnissen kein Übermaß an Geschenken, aber was gegeben wurde, war mit aufmerksamer Beachtung eines Wunsches gewählt und erregte Freude. Als meine Mutter an einem Morgen nach der Bescherung ins Zimmer trat, wo der Christbaum stand, sah sie mich stolz mit meinem Säbel herumspazieren, aber ebenso frohbewegt schritt mein Vater im Hemde auf und ab und hatte den neuen Werderstutzen umgehängt, den ihm das Christkind gebracht hatte.
Wenn der Weg offen war, fuhren meine Eltern nach den Feiertagen auf kurze Zeit zu den Verwandten nach Ammergau. Ich mag an die fünf Jahre gewesen sein, als ich zum ersten Male mitkommen durfte, und wie der Schlitten die Höhe oberhalb Wallgau erreichte, von wo sich aus der Blick auf das Dorf öffnete, war ich außer mir vor Erstaunen über die vielen Häuser, die Dach an Dach nebeneinander standen. Für mich hatte es bis dahin bloß drei Häuser in der Welt gegeben.