Drei merkwürdige Gäste
und ein guter Stern
eingeschickt von Sandra Baumann
Author unbekannt
Die vornehmen Leute aus dem Osten hatten den Stall und die Krippe noch
nicht lange verlassen, da trug sich eine seltsame Geschichte in Bethlehem
zu, die in keinem Buch verzeichnet ist. Wie die Reitergruppe der Könige
gerade am Horizont verschwand, näherten sich drei merkwürdige
Gestalten dem Stall. Die erste trug ein buntes Flickenkleid und kam langsam
näher. Zwar war sie wie ein Spaßmacher geschminkt, aber eigentlich
wirkte sie hinter ihrer lustigen Maske sehr, sehr traurig. Erst als sie
das Kind sah, huschte ein leises Lächeln über ihr Gesicht. Vorsichtig
trat sie an die Krippe heran und strich dem Kind zärtlich über
das Gesicht. Vorsichtig trat sie an die Krippe heran und strich dem Kind
zärtlich über das Gesicht. "Ich bin die Lebensfreude",
sagte sie. "Ich komme zu dir, weil die Menschen nichts mehr zu lachen
haben. Sie haben keinen Spaß mehr am Leben. Alles ist so bitterernst
geworden." Dann zog sie ihr Flickengewand aus und deckte das Kind
damit zu. "Es ist kalt in dieser Welt. Vielleicht kann dich der Mantel
des Clowns wärmen und schützen."
Darauf trat die zweite Gestalt vor. Wer genau hinsah, bemerkte ihren gehetzten
Blick und spürte, wie sehr sie in Eile war. Als sie aber vor das
Kind in der Krippe trat, schien es, als falle alle Hast und Hektik von
ihr ab. " Ich bin die Zeit", sagte die Gestalt und strich dem
Kind zärtlich über das Gesicht. " Eigentlich gibt es mich
kaum noch. Die Zeit sagt man, vergeht wie im Flug. Darüber haben
die Menschen aber ein großes Geheimnis vergessen. Zeit vergeht nicht,
Zeit entsteht. Sie wächst wie Blumen und Bäume. Sie wächst
überall dort, wo man sie teilt." Dann griff die Gestalt in ihren
Mantel und legte ein Stundenglas in die Krippe. "Man hat wenig Zeit
in dieser Welt. Diese Sanduhr schenke ich dir, weil es noch nicht zu spät
ist. Sie soll dir ein Zeichen dafür sein, dass du immer soviel Zeit
hast, wie du dir nimmst und anderen schenkst."
Dann kam die dritte Gestalt an die Reihe. Die hatte ein geschundenes Gesicht
voller dicker Narben, so als ob sie immer und immer wieder geschlagen
worden wäre. Als sie aber vor das Kind in der Krippe trat, war es,
als heilten die Wunden und Verletzungen, die ihr das Leben zugefügt
haben musste. "Ich bin die Liebe", sagte die Gestalt und strich
dem Kind zärtlich über das Gesicht. "Es heißt, ich
sei viel zu gut für diese Welt. Deshalb tritt man mich mit Füßen
und macht mich fertig." Während die Liebe so sprach, musste
sie weinen und drei dicke Tränen tropften auf das Kind. " Wer
liebt, hat viel zu leiden in dieser Welt. Nimm meine Tränen. Sie
sind, wie das Wasser, das den Stein schleift. Sie sind wie der Regen,
der den verkrusteten Boden fruchtbar macht und selbst die Wüste zum
Blühen bringt."
Da knieten die Lebensfreude, die Zeit und die Liebe vor dem Kind des Himmels.
Drei merkwürdige Gäste brachten dem Kind ihre Gaben dar. Das
Kind aber schaute die drei an, als ob es sie verstanden hätte. Plötzlich
drehte dich die Liebe um und sprach zu den Menschen, die dabeistanden:
"Man wird dieses Kind zum Narren machen, man wird es um seine Lebenszeit
bringen und es wird viel leiden müssen, weil es bedingungslos lieben
wird. Aber weil es Ernst macht mit der Freude und weil es seine Zeit und
Liebe verschwendet, wird die Welt nie mehr so wie früher sein. Wegen
dieses Kindes steht die Welt unter einem neuen, guten Stern, der alles
andere in den Schatten stellt." Darauf standen die drei Gestalten
auf und verließen den Ort. Die Menschen aber, die all das miterlebt
hatten, dachten noch lange über diese rätselhaften Worte nach.....
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