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Der goldene Klebestreifen
Von Franz Felix Schedl
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Vor vielen Jahren, meine Kinder waren gerade fünf und sieben Jahre
alt, zweifelte die Erstgeborene daran, dass all die wunderbaren Geschenke
vom Christkind persönlich gebracht werden. Meine Frau Kathie und
ich sahen uns lange an, die Augen unserer Kinder waren hoffnungsvoll auf
uns gerichtet, und Kathie hatte - wie immer - den rettenden Einfall:
"Ja, ihr habt schon recht, nicht alle Geschenke bringt das Christkind
selbst, denn soviel Zeit hat es gar nicht. Einige Erwachsene, wie eure
Großeltern, Tante Inge und viele mehr, dürfen dabei helfen.
Aber es gibt ein eindeutiges Zeichen, an dem man erkennen kann, von wem
sie kommen: Das Christkind klebt die Pakete mit goldenem Klebestreifen
zu."
Die goldenen Streifen wurden der eigentliche Schmuck unserer Geschenke,
sie machten ein Geschenk - auch noch so klein - wertvoll und wichtig.
Bei Weihnachtsgeschenken ohne goldenen Klebestreifen zwinkerten uns die
Kinder wissend zu, denn dieses Paket konnte nur von einem Vertreter des
Christkindes kommen.
Zwei Jahre später war kein goldenes Klebeband erhältlich. Wo
meine Frau und ich auch fragten, was wir auch versuchten, es gab kein
Klebeband. Wir hatten die Hoffnung bis zuletzt nicht aufgegeben, bereiteten
die Päckchen soweit vor, dass wir nur mehr die goldenen Klebebänder
anbringen hätten müssen, und suchten weiter. Doch wir hatten
es nicht geschafft. Langsamer und länger als sonst sangen wir fromme
Lieder, nur die Kinder streiften neugierig um die Pakete herum, ausgelassen
wie immer.
Als es soweit war öffneten sie freudig ihre Päckchen und alles
schien wie jedes Weihnachten. Meine Frau hielt mich an der Hand und wir
waren erleichtert, keinen Schrei des Protestes zu hören. Aber auch
ein wenig traurig, sollten sie auf die Geschichte der goldenen Streifen
vergessen haben?
Wir gingen zu unseren Paketen und - wie von Zauberhand - waren da goldene
Klebebänder. Auch bei den Paketen der Kinder, ja an allen notwendigen
Stellen glänzte ein goldener Streifen. Kathie liefen Tränen
über ihre Wangen und meine Knie wurden weich. Das Christkind war
tatsächlich zu uns gekommen!
Heute, Jahrzehnte später, wenn unsere Kinder ihren Kindern Pakete
mit goldenen Klebestreifen unter den Christbaum legen, denken Kathie und
ich voller Liebe an dieses Weihnachtsfest zurück - und wir kennen
mittlerweile des Rätsels Lösung:
Unsere Tochter hatte eines Abends unsere Sorge mitangehört und ihren
Bruder eingeweiht. Ihre Handarbeitslehrerin besorgte die Klebestreifen,
und als wir sangen und ängstlich die Enttäuschung vor uns herschoben,
brachten sie die Klebestreifen an. So bewahrten sie uns den Glauben an
das Christkind.
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